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EMDR | Traumasensible Begleitung belastender Erinnerungen

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) als psychotherapeutisches Verfahren zur Arbeit mit belastenden Erfahrungen

Tom Wilhelm, Heilpraktiker für Psychotherapie | ✆ 0177 – 3143183


EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing - Begleitung belastender Erfahrungen
EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing: ein Verfahren zur Begleitung belastender Erinnerungen

Wenn Dein System auf Alarm bleibt

Warum bleiben manche Erlebnisse präsent, während andere mit der Zeit verblassen? Und weshalb reagiert der Körper manchmal schneller als der Verstand?

Nicht alles, was verstanden ist, ist auch verarbeitet. Belastende Erinnerungen können im Erleben fortbestehen – selbst dann, wenn sie zeitlich längst zurückliegen und eigentlich abgeschlossen erscheinen.

EMDR setzt genau an solchen Prozessen an.


Was heißt das – EMDR?

EMDR steht als Abkürzung für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, auf Deutsch etwa: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen.

Dieses traumasensible Verfahren wurde in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der US-amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entwickelt. Heute ist es wissenschaftlich anerkannt und wird weltweit eingesetzt in der Arbeit mit stark belastenden und traumatischen Erfahrungen.

Zentral im EMDR ist die Arbeit mit bilateraler Stimulation – also mit abwechselnden Reizen auf der linken und rechten Seite. Diese Reize können über Augenbewegungen, taktile Impulse oder auch akustische Signale erfolgen. Sie werden gesetzt, während der zu Behandelnde die belastende Situation wiederholt erinnert.

In unserer Praxis kombiniere ich EMDR in aller Regel integrativ mit anderen, humanistischen und achsamkeitsbasierten psychotherapeutischen Ansätzen. 

Mir ist es wichtig, dass es in unserer Praxis bei einer EMDR-Behandlung nicht um ein „schneller“ oder „effektiver“ geht, sondern darum, einen individuell passenden Zugang zu Deinen Erfahrungen und deren Verarbeitung zu finden – und so die Selbstregulation Deines Nervensystems zu unterstützen.

Ob diese Art der therapeutischen Arbeit für Dich in Frage kommt, klären wir natürlich im gemeinsamen Gespräch.


Belastende Erinnerungen und ihre Verarbeitung

Belastende Erfahrungen können sich auf unterschiedliche Weise zeigen: durch sich aufdrängende Erinnerungen, durch Schlafstörungen, anhaltende Anspannung oder durch intensive emotionale Reaktionen wie Angst, Schuld oder Scham.

Auch körperliche Reaktionen oder ein Vermeidungsverhalten können damit verbunden sein.

Nicht jede dieser belastenden Erfahrungen muss einem Trauma im klinischen Sinne entsprechen, denn auch Trennungen, Verluste oder frühe Beziehungserfahrungen können in unserem Nervensystem langfristig nachklingen und teilweise stark belastende Nachwirkungen auslösen.

Ein zentraler Ausgangspunkt des EMDR ist dabei, dass die gemachten Erfahrungen – auch wenn sie alt sind – nicht immer vollständig von uns verarbeitet wurden.

Diese Erinnerungen haben – bildlich gesprochen – ihre „Erinnerungsschublade“ noch nicht gefunden und bleiben in unserem System aktiv, jederzeit durch den passenden „Trigger“ auslösbar.

Das aktuelle Erleben des Betroffenen orientiert sich in der Folge nicht mehr primär an der Gegenwart, sondern ganz schnell an dem, was die früheren Erfahrungen waren – und den dazu abgespeicherten Gefühls- und Reaktionsmustern.

EMDR setzt genau an diesem Punkt an: Während eine Erinnerung aktiviert ist, werden gezielt die beschriebenen bilateralen Reize eingesetzt, um einen Verarbeitungsprozess anzuregen.

Die zugrunde liegenden Mechanismen, die hinter dem EMDR-Verfahren liegen, sind noch nicht endgültig abgeklärt – diskutiert werden aber unter anderem Zusammenhänge mit dem Arbeitsgedächtnis, Prozesse der Gedächtniskonsolidierung und neurobiologische Modelle der Emotionsverarbeitung.

Falls es Dich interessiert: Links zu Studien- und Forschungsergebnissen zu EMDR findest Du weiter unten.


Ressourcen und Stabilisierung

Ein wichtiger Schritt vor der eigentlichen EMDR-Arbeit ist die Stärkung Deiner Ressourcen.

Das sind zum Beispiel:

  • die Wahrnehmung Deiner Selbstwirksamkeit
  • die Installation Deines inneren sicheren Ortes
  • Übungen zu Achtsamkeit und zur Wahrnehmung Deines Körpers
  • Strategien zur Regulation Deiner Gefühle
  • die Einbindung von Unterstützung in Deinem sozialen Umfeld

Erst wenn ausreichend Stabilität vorhanden ist, beginnen wir mit der gezielten Bearbeitung.


Der Ablauf und die Rahmenbedingungen in unserer Praxis

Eine EMDR-Behandlung folgt einem strukturierten Ablauf mit acht Phasen:

  1. Anamnese und Behandlungsplanung – Dabei werden Lebensgeschichte, aktuelle Belastungen, Ressourcen und Ziele geklärt.
  2. Vorbereitung – Stabilisierung, Ressourcenaufbau. Techniken zur Selbstregulation werden vermittelt, zum Beispiel Atemübungen, Achtsamkeit oder die Imagination eines sicheren inneren Ortes.
  3. Bewertung der Zielerinnerung – Das belastende Bild, negative und positive Kognitionen, Gefühle und Körperempfindungen werden erfasst. Übrigens: Auf dem Portal DocCheck findest Du Flexikon-Einträge von mir zu den dabei verwendeten Skalen.
  4. Desensibilisierung – Bearbeitung der Erinnerung unter bilateraler Stimulation, abwechselnd mit kurzen Gesprächssequenzen, in denen neue Assoziationen, Bilder oder Gefühle besprochen werden.
  5. Installation – Verknüpfung mit und Verstärkung von hilfreichen Überzeugungen.
  6. Körpertest – Überprüfung körperlicher Reaktionen: Gibt es noch unangenehme Empfindungen im Zusammenhang mit der Erinnerung und was verändert sich?
  7. Abschluss – Stabilisierung und Orientierung am Ende der Sitzung. Gegebenenfalls besprechen wir Strategien zur Selbstregulation für die Zeit zwischen den Sitzungen.
  8. Neubewertung – Überprüfung in einer darauffolgenden Sitzungen: Ist die Verarbeitung stabil geblieben? Sollen weitere Erinnerungen bearbeitet werden? Oder sind andere Themen in den Vordergrund getreten?

Diese Struktur dient als Orientierung für den therapeutischen Prozess von 1-2 Sitzungen.

Auch wenn die häufig gestellte Frage nach einer erforderlichen Anzahl von Sitzungen natürlich mehr als verständlich ist:

Der zeitliche Umfang für eine EMDR-Behandlung lässt sich – wie bei vielen anderen therapeutischen Vorgehensweisen auch – im Vorfeld nicht pauschal festlegen, er richtet sich in erster Linie nach Deiner individuellen Ausgangssituation und Deinen Bedürfnissen.


EMDR im Rahmen humanistischer Psychotherapieverfahren

In der humanistischen Psychotherapie stehst Du als Mensch in Deiner Ganzheit im Mittelpunkt unserer Arbeit. Die Basis unserer Zusammenarbeit liegt in der therapeutischen Beziehung, in Empathie und im gemeinsamen Verstehen dessen, was Dich bewegt.

Ganz zentrale Elemente sind dabei in meiner Arbeit die Gesprächstherapie nach Carl Rogers, die Gestalttherapie nach Fritz Perls, achtsamkeitsbasierte Verfahren sowie die Arbeit mit Ressourcen und Beziehungserfahrungen.

EMDR setze ich in unserer Praxis als eine traumasensible Methode innerhalb eines vielschichtigen therapeutischen Gesamtprozesses ein.

Was EMDR leisten kann und was nicht:

  • kann helfen, Erinnerungen anders einzuordnen
  • kann emotionale Reaktionen beeinflussen
  • kann neue Bedeutungen zugänglich machen
  • kann nicht die Erinnerungen löschen oder Vergangenes ungeschehen machen
  • kann nicht Zeit, Beziehung und Verstehen ersetzen

EMDR wurde, wie bereits erwähnt, ursprünglich für die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen entwickelt.

Heute wird das Verfahren jedoch auch bei anderen Fragestellungen eingesetzt – etwa bei Angststörungen, bei depressiven Verstimmungen, bei Zwangssymptomen oder psychosomatischen Beschwerden.

Ob die Arbeit mit EMDR im speziellen Fall sinnvoll sein könnte, oder ob eher eine alternative Behandlungsmethode in Frage käme, klären wir unter Berücksichtigung Deiner individuellen Situation im Vorgespräch.

Ich verstehe EMDR als ein Werkzeug von mehreren, die vielleicht im Zuge einer therapeutischen Begleitung zum Einsatz kommen können.

Ich verstehe EMDR nicht als DAS Allheilmittel, das isoliert Anwendung findet – und schnell etwas „wegmacht“.


Grenzen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen einer EMDR-Behandlung

EMDR ist nicht für jeden Menschen und in jeder persönlichen Situation geeignet.

Bei ausgeprägter psychischer Instabilität (z.B. einer Psychose, schwerer Depression oder bei akuter Suizidalität), bestimmten körperlichen Erkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Epilepsie oder schweren Augenerkrankungen) oder einer bestehenden Substanzabhängigkeit ist eine Anwendung von EMDR eingeschränkt oder auch ganz klar nicht angezeigt.

Auch bei einer Schwangerschaft kann Vorsicht geboten sein.

Vor allem im Falle einer akut vorliegenden Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer komplexen Traumafolgestörung kann ein anderer therapeutischer Rahmen angemessener sein, z.B. eine (fach-) ärztliche Begleitung, eine Therapie bei einem approbierten Psychotherapeuten oder auch ein Klinikaufenthalt.

Gut zu wissen: Im Zuge einer EMDR-Behandlung können vorübergehend intensivere Reaktionen auftreten – etwa Müdigkeit, Kopfschmerzen oder lebhafte Träume, in manchen Fällen auch eine erhöhte innere Unruhe.

Wichtig in diesem Zusammenhang:

EMDR ist kein passiver Prozess, weder für den Therapeuten, noch für den Klienten.

EMDR erfordert Deine aktive Teilnahme, Selbstbeobachtung und Deine Bereitschaft, Dich mit Deinen inneren Erfahrungen und Deinen Emotionen auseinanderzusetzen.


EMDR kurz zusammengefasst:

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein psychotherapeutisches Verfahren zur Verarbeitung belastender Erinnerungen.

Es kombiniert die bewusste Fokussierung auf eine Erinnerung mit bilateraler Stimulation, etwa durch Augenbewegungen, taktile Impulse oder akustische Reize.

Ziel ist es, die Verarbeitung der Erinnerung zu unterstützen und ihre Wirkung im Erleben zu verändern.

Das Verfahren folgt einem strukturierten Ablauf und wird je nach Situation angepasst.


Wissenschaftlicher Hintergrund

EMDR ist seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).

Die Meta-Analyse von Chen et al. (2014) („Eye Movement Desensitization and Reprocessing vs. Cognitive Behavioral Therapy for Adult Posttraumatic Stress Disorder: A Meta-Analysis“) zeigt Zusammenhänge mit einer Reduktion von PTBS-Symptomen sowie von Angst- und depressiven Beschwerden.

Die Übersichtsarbeit von Rasines-Laudes et al. (2023) („Effectiveness of EMDR in PTSD: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials“) berichtet über Hinweise auf signifikante Veränderungen im Vergleich zu Kontrollbedingungen.

Deutsche Forschungsprojekte von Sack, M. et al. (2011–2014) untersuchten mögliche neurobiologische Wirkmechanismen.

Deutsche und internationale Leitlinienübersichten die Evidenzlage zusammen und berücksichtigen EMDR als ein evidenzbasiertes Verfahren in der PTBS-Behandlung (Steil et al., 2021; WHO, NICE, APA).

Die genauen Wirkmechanismen von EMDR sind wie oben bereits erwähnt weiterhin Gegenstand der Forschung.

Diskutiert werden unter anderem Prozesse der Gedächtnisrekonsolidierung, einer Belastung des Arbeitsgedächtnisses sowie neurobiologische Veränderungen in Netzwerken der Emotionsverarbeitung. EMDR ersetzt keine ärztliche oder approbierte psychotherapeutische Behandlung.


Kontakt zu Tom Wilhelm

Wenn Du Fragen oder Interesse an einem Termin hast: Melde Dich gerne.

Entweder du benutzt unverbindlich unser Kontaktformular.

Oder Du rufst mich einfach an unter: 0177-3143183.

Wenn ich nicht drangehen kann, weil ich zum Beispiel gerade in einer Sitzung bin, sprich mir bitte auf meine Mailbox. Ich melde mich zügig bei dir.

Herzlich

Tom


Hinweis:

Thomas Wilhelm ist Heilpraktiker für Psychotherapie, d.h. eine EMDR-Behandlung erfolgt in unserer Praxis im Rahmen des Heilpraktikergesetzes. Sie ersetzt keine eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung durch einen approbierten Kollegen oder einen Klinikaufenthalt.

Auch und besonders vor einer EMDR-Behandlung wird von Thomas Wilhelm eine Anamnese erhoben und Kontraindikationen werden abgeklärt. Bei bestehenden Erkrankungen oder Unsicherheiten wird dringend empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen.


Der Autor dieser Seite:

Thomas „Tom“ Wilhelm praktiziert seit 2015 als Heilpraktiker für Psychotherapie und ist Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Berater VFP e.V.

Seine Qualifikationen: Insgesamt mehrjährige Ausbildung in Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls und Transpersonaler Gestalttherapie. Ausbildung in tiefenpsychologischer Hypnosetherapie, Fortbildung in EMDR.