Niritya und Tom, Heilpraktiker für Psychotherapie in Saarbrücken, informieren über das Thema Psychosomatik und ihre Therapieansätze.

Psychosomatik – wenn körperliche Symptome nicht eindeutig erklärbar sind
Der Befund sagt „gesund“, der Körper sagt etwas anderes. Der Begriff Psychosomatik setzt genau an dieser Stelle an.
Es gibt Beschwerden, die sich nicht eindeutig einordnen lassen. Sie sind spürbar, manchmal anhaltend oder wiederkehrend – und trotzdem ergibt sich aus den verschiedensten medizinischen Untersuchungen kein klares Bild, das alles erklärt.
Wir erleben in unserer Praxis in Saarbrücken immer wieder Klienten, die sich in genau diesem Spannungsfeld befinden: Einerseits ist da ganz klar ein körperliches Erleben, das sich nicht ignorieren lässt, andererseits aber fehlen die greifbaren ärztlichen Befunde, die eine eindeutige Ursache liefern würden.
Kein Wunder also, dass sich viele Betroffene verunsichert fühlen und den Blick immer stärker auf – und vor allem in – den eigenen Körper richten.
Psychosomatik beschäftigt sich mit genau diesem Bereich, in dem körperliche Symptome und innere Prozesse zusammenwirken.
Wichtig:
Dabei geht es nicht darum, Beschwerden entweder dem Körper oder der Psyche zuzuordnen, sondern zu verstehen, dass und wie die beiden Ebenen miteinander verbunden sind.
„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“
– Christian Morgenstern
Was mit Psychosomatik gemeint ist
Der Begriff Psychosomatik beschreibt das Zusammenspiel von seelischen („psyche“) und körperlichen („soma“) Prozessen. Gemeint ist damit kein Entweder-Oder, sondern dass mehrere Ebenen gleichzeitig beteiligt sind.
Körperliche Reaktionen, Nervensystem, Gedanken, Gefühle und äußere Belastungen: Sie alle stehen laufend in Wechselwirkung. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das, was innerlich erlebt wird, sich im Körper ausdrückt, ist ziemlich hoch.
Und umgekehrt beeinflussen natürlich auch körperliche Symptome den Zustand der Seele.
Dabei geht es in aller Regel nicht um DEN einzelnen Auslöser, sondern vielmehr um mehrschichtige Prozesse, die sich über einen längeren Zeitraum entwickeln.
Wie sich psychosomatische Beschwerden zeigen können
Psychosomatische Beschwerden können sehr unterschiedlich aussehen. Häufig betreffen sie Bereiche, die eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden sind.
Typische Beispiele sind:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Druck, Übelkeit oder Reizdarm
- Kopf- und Nackenschmerzen oder anhaltende Verspannungen
- Herzklopfen, Engegefühl in der Brust oder Kreislaufreaktionen
- Atembeschwerden oder das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können
- anhaltende Erschöpfung oder schnelle Überforderung
- Schlafprobleme oder innere Unruhe
Auffällig ist in der Regel, dass sich die Intensität der Beschwerden verändert – je nach Situation, Belastung oder seelischer Verfassung.
Begriffe und Einordnungen in der Psychosomatik
Im Zusammenhang mit psychosomatischen Beschwerden tauchen verschiedene Begriffe auf, die ähnliche Körper-Seele-Phänomene beschreiben, aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
- Somatoforme Störung / somatische Belastungsstörung
Bezeichnet körperliche Beschwerden, bei denen keine ausreichende organische Ursache gefunden wird und die mit anhaltender gedanklicher und emotionaler Beschäftigung verbunden sind.
- Funktionelle Beschwerden
Hier liegt keine strukturelle Schädigung vor, dennoch bestehen körperliche Symptome – etwa im Magen-Darm-Bereich, im Herz-Kreislauf-System oder im Bewegungsapparat.
- Reizdarmsyndrom (IBS)
Ein häufiges Beispiel: Bauchschmerzen, Blähungen oder Stuhlveränderungen, die sich unter Stress oder innerer Anspannung verstärken können.
- Psychovegetative Reaktionen
Körperliche Reaktionen des autonomen Nervensystems wie Herzrasen, Schwitzen, Zittern oder Magenbeschwerden bei emotionaler Belastung.
- Stressbedingte körperliche Beschwerden
Ein Sammelbegriff für körperliche Symptome, die im Zusammenhang mit anhaltender Belastung entstehen oder sich dadurch verstärken.
- Dissoziative (Konversions-)Störungen
Ein spezieller Bereich, bei dem psychische Belastung zu neurologisch wirkenden körperlichen Symptomen führen kann, z. B. Lähmungen, Bewegungsstörungen oder Anfällen. Die Symptome sind real, lassen sich jedoch nicht durch eine entsprechende organische Erkrankung erklären. Sie werden diagnostisch nicht den klassischen psychosomatischen Störungen zugeordnet, stehen aber in engem Zusammenhang mit der Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche.
- Krankheitsangst (Hypochondrie)
Hier steht weniger das körperliche Symptom selbst im Vordergrund, sondern die Sorge, ernsthaft erkrankt zu sein. Körperliche Empfindungen werden verstärkt wahrgenommen und häufig als Hinweis auf eine schwere Erkrankung interpretiert. Auch wenn sich Überschneidungen ergeben können, wird Krankheitsangst inhaltlich – vor allem in neueren Krankheitsklassifikationen – eher dem Bereich der Angststörungen zugeordnet.
Wie entstehen psychosomatische Prozesse?
Psychosomatische Beschwerden entwickeln sich meist nicht plötzlich, sondern im Verlauf.
Eine wichtige Rolle spielt das Nervensystem. Bei anhaltender Belastung kann es in einen Zustand erhöhter Aktivierung geraten. Der Körper bleibt gewissermaßen „auf Spannung“ – auch dann, wenn keine akute Situation mehr besteht.
Mögliche Einflussfaktoren sind:
- länger andauernder Stress oder Überforderung (siehe auch Burnout und Erschöpfung)
- ungelöste Konflikte oder emotionale Belastungen
- hohe innere Ansprüche oder dauerhafte Anspannung
- Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen oder auszudrücken
- frühere Erfahrungen oder Prägungen
Im weiteren Verlauf können sich die körperlichen Reaktionen verselbstständigen, und die Symptome können auch ohne die klar definierbaren Auslösesituationen auftreten.
Psychosomatik im Alltag
Psychosomatische Prozesse zeigen sich oft nicht in einzelnen, klar abgrenzbaren Momenten, sondern im ganz alltäglichen Erleben.
Nach den ersten Symptomatiken achten viele Betroffene genauer auf ihren Körper. Wir hören in unserer Praxis in Saarbrücken öfter, dass schon kleine Veränderungen schneller auffallen und beobachtet und eingeordnet werden. Ein Druck im Bauch, ein Ziehen im Rücken oder ein schneller Herzschlag bekommt mehr Aufmerksamkeit als zuvor.
Häufig beginnt dann ein innerer Prozess:
Was bedeutet das? Ist das harmlos? Habe ich etwas übersehen?
Diese Gedanken sind zunächst nachvollziehbar. Gleichzeitig kann die Aufmerksamkeit stärker auf den Körper gerichtet bleiben. Dadurch werden Signale intensiver wahrgenommen, was wiederum die innere Anspannung erhöhen kann.
Im Alltag zeigt sich das zum Beispiel so:
- körperliche Beschwerden treten in bestimmten Situationen stärker auf (z. B. bei Stress, Termindruck oder Konflikten)
- Symptome werden im Tagesverlauf immer wieder überprüft oder beobachtet
- Entscheidungen werden davon beeinflusst, wie sich der Körper gerade anfühlt
- Aktivitäten werden angepasst oder vermieden, um Beschwerden nicht zu verstärken
- Erholung fällt schwer, weil der Körper weiterhin „unter Spannung“ bleibt
Viele beschreiben auch, dass sich ein Gefühl von Unsicherheit entwickelt: Der Körper wirkt weniger verlässlich, Reaktionen schwerer einschätzbar.
Ein weiterer Aspekt ist die Wechselwirkung zwischen Körper und Gedanken. Körperliche Symptome können Sorgen auslösen – und diese wiederum führen zu mehr Anspannung im Körper. So kann sich ein Kreislauf entwickeln, der sich im Alltag festsetzt, ohne bewusst gesteuert zu werden.
Einordnung psychosomatischer Beschwerden
Psychosomatische Beschwerden sind ein fester Bestandteil medizinischer und psychotherapeutischer Betrachtung.
In Klassifikationssystemen wie dem ICD-10 werden entsprechende Beschwerdebilder unter verschiedenen Kategorien geführt, z. B. als somatoforme Störungen oder im Zusammenhang mit Belastungsreaktionen.
Eine medizinische Abklärung körperlicher Ursachen ist in der Psychosomatik sinnvoll und notwendig.
Gleichzeitig kann es hilfreich sein, psychosomatische Zusammenhänge mit einzubeziehen, wenn die Beschwerden bestehen bleiben oder sich medizinisch nicht vollständig erklären lassen.
Weitere Informationen zu diesem Thema findest Du in unserem Blogartikel „Psychosomatik – wenn Beschwerden eine Geschichte erzählen„.
Psychosomatik – kurz zusammengefasst
Psychosomatik beschreibt das Zusammenwirken somatischer und psychischer Prozesse bei körperlichen Beschwerden, für die keine ausreichende organische Erklärung vorliegt oder bei denen psychische Faktoren wesentlich zur Entstehung, Aufrechterhaltung oder Verstärkung beitragen.
Die Symptome sind real und können verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere solche, die durch das autonome Nervensystem reguliert werden (z. B. Magen-Darm, Herz-Kreislauf, Atmung, Muskulatur).
Charakteristisch ist eine Wechselwirkung zwischen körperlicher Symptomwahrnehmung, innerer Anspannung, kognitiver Bewertung und vegetativer Aktivierung. Diese Prozesse können sich gegenseitig verstärken und zu einem stabilen Beschwerdeverlauf führen.
Psychosomatische Beschwerden sind daher nicht monokausal erklärbar, sondern entstehen im Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Einflussfaktoren.
Therapeutische Begleitung bei psychosomatischen Beschwerden in unserer Praxis in Saarbrücken
In der Begleitung psychosomatischer Beschwerden geht es nicht darum, einzelne Symptome isoliert zu betrachten. Im Vordergrund steht, die Zusammenhänge zwischen körperlichem Erleben, innerer Anspannung und Lebenssituation besser zu verstehen.
Viele Betroffene erleben, dass ihre Beschwerden eng mit bestimmten Belastungen, inneren Mustern oder wiederkehrenden Reaktionen verbunden sind. In der gemeinsamen Arbeit schauen wir darauf, wie sich diese Zusammenhänge im Alltag zeigen und was dabei innerlich passiert.
Dabei nutzen wir unter anderem die Gesprächstherapie nach Carl Rogers, um einen Rahmen zu schaffen, in dem körperliches Erleben, Gedanken und Gefühle ohne Bewertung betrachtet werden können.
Ergänzend beziehen wir gestalttherapeutische Ansätze, die Arbeit mit inneren Anteilen und die Trancebasierte Integrative Therapie (TBIT) ein. Diese können dabei unterstützen, innere Spannungszustände, Wahrnehmungsmuster und wiederkehrende Zusammenhänge deutlicher zu erfassen.
Auch achtsamkeitsbasierte Verfahren, Meditation sowie – wenn es sinnvoll ist – Elemente aus EMDR und Verhaltenstherapie können Teil der Begleitung sein. Dabei kann es z. B. darum gehen, den eigenen Körper differenzierter wahrzunehmen, Reaktionen des Nervensystems besser einzuordnen und den Umgang mit Anspannung schrittweise zu verändern.
Wenn biografische Erfahrungen, länger bestehende Belastungen oder innere Konflikte eine Rolle spielen, können auch diese im Rahmen einer Inneren-Kind-Arbeit in die therapeutische Arbeit einbezogen werden.
Die Begleitung orientiert sich an dem, was individuell tragbar ist. Ziel ist es, die eigenen inneren und körperlichen Prozesse besser zu verstehen und den Umgang damit zu erweitern.
Dein Kontakt zu uns und unserer Saarbrücker Praxisgemeinschaft
Wenn Du Dich für eine Psychotherapie bei Burnout oder Erschöpfung in unserer Saarbrücker Praxisgemeinschaft interessierst: Kontaktiere uns gerne.
Telefon:
- Niritya Speicher-Wilhelm | 0171 367 8332
- Tom Wilhelm | 0177 314 3183
Oder nutze unser Kontaktformular.
Unsere Praxisadresse:
Unsere Privatpraxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz befindet sich im Herzen von Saarbrücken am Beethovenplatz in der Dudweilerstraße 37.
Mehr Informationen zu uns und unseren Qualifikationen findest Du hier:
Hinweis
Die Inhalte dieser Website dienen der allgemeinen Information über psychische Belastungen und psychotherapeutische Arbeitsweisen bei Themen aus dem Bereich der Psychosomatik. Sie ersetzen keine individuelle medizinische, psychosomatische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandlung.
Die psychotherapeutische Begleitung erfolgt in unserer Praxis auch im Bereich Psychosomatik auf Grundlage des Heilpraktikergesetzes.
Bei akuten psychischen Krisen oder schweren psychischen Erkrankungen kann eine Behandlung durch Fachärzte für Psychiatrie oder Psychosomatik, Psychotherapeuten oder auch in einer Klinik notwendig sein.
Eine anonyme und kostenlose Beratung rund um die Uhr gibt es bei der TelefonSeelsorge unter: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222.
Im Netz: online.telefonseelsorge.de
Über die Autoren dieses Artikels:
Niritya Speicher-Wilhelm und Thomas „Tom“ Wilhelm, beide Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis in Saarbrücken und Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Berater VFP e.V.
Qualifikationen:
Beide haben eine vierjährige Ausbildung in Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls und Transpersonaler Gestalttherapie bei Dr.rer.soc. Rajan Roth und Dipl.Ing. Deva Prem Kreidler-Roth in Köln und Stuttgart absolviert und praktizieren bereits seit einigen Jahre im Bereich psychischer Belastungen und ihrer therapeutischen Begleitung.
Tom hat zudem eine Ausbildung in tiefenpsychologischer Hypnose, Niritya ist auch Meditationslehrerin.