Niritya und Tom, Heilpraktiker für Psychotherapie in Saarbrücken, informieren über Zwangsstörungen und ihre Therapie-Ansätze

Zwangsstörungen – wenn Muster sich nicht mehr unterbrechen lassen
Du gehst aus der Wohnung, ziehst die Tür zu – und ein paar Schritte später kommt der Gedanke: Sind die Herdplatten aus? Also gehst Du zurück und überprüfst es, versicherst Dich. Eigentlich sollte spätestens nach dieser Kontrolle das Ganze erledigt sein.
Viele Dinge im Alltag laufen nach festen Mustern ab. Man schaut vielleicht nochmal nach, ob der Herd auch wirklich aus ist, geht gedanklich Abläufe durch oder hält sich an bestimmte Reihenfolgen, weil es sich so sicherer anfühlt.
Solche Verhaltensweisen sind zunächst einmal völlig normal, jeder von uns kennt sowas, niemand würde dabei von einer Zwangsstörung sprechen. Gerade wenn es um Sicherheit geht, kann es ja auch tatsächlich sinnvoll sein, etwas noch einmal zu überprüfen.
Auch hartnäckige Gedanken oder ein Ohrwurm, der nicht mehr aus dem Kopf geht, gehören zu diesen für die allermeisten Menschen nachvollziehbaren, alltäglichen Erfahrungen. Sie können fürchterlich nervend sein, lassen sich aber meist wieder zur Seite schieben. Oder sie verschwinden von selbst wieder dahin, woher sie gekommen sind: nämlich aus dem Nichts wieder ins Nichts.
Schwierig wird es dann, wenn sich Gedanken oder Handlungen dauerhaft verselbstständigen.
Wenn Zweifel immer wieder auftauchen, obwohl alles längst mehrfach überprüft wurde, oder wenn etwas erst „richtig“ wirkt, nachdem es mehrfach wiederholt wurde – dann verändert sich die Qualität dieser Erfahrungen und es geht in Richtung gefühltem Kontrollverlust über das, was sich in Deinem Inneren abspielt.
Wenn sich Gedanken aufdrängen, nicht mehr loslassen und ein innerer Druck entsteht, darauf zu reagieren, kann das den Alltag zunehmend beeinflussen.
Dann geht es nicht mehr nur um Gewohnheit oder Vorsicht, sondern um ein Muster, das sich schwer unterbrechen lässt.
Wie können Zwänge sich zeigen?
Zwangsstörungen können verschiedene Formen annehmen, die sich auch überschneiden.
- Zwangsgedanken (auch: Obsessions, aufdrängende Gedanken) sind wiederkehrende, schwer kontrollierbare Gedanken, Zweifel oder innere Bilder. Typisch sind z. B. Fragen wie „Habe ich wirklich alles erledigt?“, „Könnte ich etwas übersehen haben?“ oder „Was, wenn doch etwas passiert?“. Manche Gedanken drehen sich um Verunreinigung (z. B. Keime), andere um Verantwortung, Fehler oder mögliche negative Folgen. Charakteristisch ist, dass sich diese Gedanken nicht abschließen lassen – selbst wenn etwas überprüft wurde, bleibt oft ein Restzweifel bestehen – oder er verlagert sich auf neue Aspekte.
- Zwangshandlungen (auch: Kompulsionen, ritualisierte Handlungen) sind wiederholte Verhaltensweisen, die meist als Reaktion auf diese innere Anspannung entstehen. Dazu gehören z. B. mehrfaches Kontrollieren von Türen, Fenstern. dem Herd oder anderen Geräten, ein Waschzwang, exaktes Ordnen oder Zählen. Häufig gibt es feste Abläufe oder Regeln – etwa etwas in einer bestimmten Reihenfolge oder Anzahl zu wiederholen, bis es sich „richtig“ anfühlt.
- Zu den Zwangshandlungen zählen auch die sogenannten mentalen Zwänge (mentale Kompulsionen). Diese finden nicht sichtbar statt, erfüllen aber die gleiche Funktion. Beispiele sind das wiederholte gedankliche Durchgehen von Situationen („Habe ich wirklich alles richtig gemacht?“), inneres Zählen, das stille Wiederholen von Sätzen oder das bewusste Neutralisieren bestimmter Gedanken durch Gegengedanken. Auch hier geht es meist darum, Unsicherheit zu reduzieren oder ein belastendes Gefühl zu regulieren.
- Zwangsimpulse (auch: intrusive Impulse, impulsive Zwangsgedanken) sind plötzlich auftauchende innere Einfälle oder Vorstellungen, die oft als irritierend oder beunruhigend erlebt werden. Beispiele können sein, die Vorstellung, etwas Unpassendes zu sagen, jemanden zu verletzen oder die Kontrolle zu verlieren. Diese Impulse werden nicht umgesetzt, können aber dazu führen, dass Betroffene ihr Verhalten stärker überwachen, Situationen vermeiden oder versuchen, solche Gedanken aktiv zu unterdrücken.
In der Praxis greifen diese Bereiche häufig ineinander. Ein Gedanke oder Impuls taucht auf und löst Anspannung aus. Darauf folgt eine Handlung – sichtbar oder im Kopf – die kurzfristig Entlastung bringt. Dieser Effekt hält jedoch meist nicht lange an, wodurch sich der Ablauf wiederholt und mit der Zeit verfestigen kann.
Einordnung von Zwangsstörungen
Zwangsstörungen gehören zu den psychischen Störungsbildern und werden in Klassifikationssystemen wie dem ICD-10 (F42) beschrieben.
Gemeint sind damit wiederkehrende Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen, die als belastend erlebt werden, sich aufdrängen und sich nicht einfach willentlich steuern lassen.
Typisch ist, dass die Betroffenen ihre Gedanken und Handlungen als eigene erkennen, gleichzeitig aber das Gefühl haben, ihnen nur begrenzt Einfluss entgegensetzen zu können.
Es gibt psychische Störungsbilder, etwa einige Persönlichkeitsstörungen, die für die Betroffenen selbst im Regelfall als „okay“ oder „passend“ erlebt werden, dieses Erleben bezeichnet man in der Fachsprache als „Ich-synton„.
Bei den Zwangsstörungen ist es dagegen „Ich-dyston„: Die Betroffenen erleben das, was passiert, als äußerst störend und sehen es als Problem, das sie unbedingt abschütteln wollen. Es besteht – und das macht die Zwangsstörung zum Teil in ihrem Wesen aus – der dringende Wunsch, damit aufzuhören.
Für den Schweregrad, das subjektive Leiden also, ist meist weniger der konkrete Inhalt der Gedanken oder Handlungen maßgeblich, sondern vielmehr, wie viel Raum sie im Alltag einnehmen, wie stark sie die Aufmerksamkeit binden und wie sehr sie Abläufe, Entscheidungen und Verhalten beeinflussen.
Mit zunehmender Dauer kann sich die Belastung verstärken, etwa wenn sich die Zwänge auf weitere Situationen ausdehnen oder mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Zwangsstörungen – kurz zusammengefasst
Zwangsstörungen sind gekennzeichnet durch wiederkehrende Zwangsgedanken, Zwangsimpulse und/oder Zwangshandlungen, die sich aufdrängen, als belastend erlebt werden und sich nur stark eingeschränkt willentlich kontrollieren lassen.
Zwangsgedanken führen häufig zu Anspannung oder Unsicherheit. Zwangshandlungen und mentale Zwänge dienen dazu, diese Anspannung zu reduzieren oder befürchtete Konsequenzen abzuwenden. Die Entlastung ist in der Regel nur vorübergehend, wodurch sich die Symptomatik aufrechterhalten kann.
Im Verlauf können Zwänge an Häufigkeit und Ausmaß zunehmen und den Alltag in verschiedenen Bereichen verstärkt beeinträchtigen.
Therapeutische Begleitung bei Zwangsstörungen in unserer Praxis in Saarbrücken
In unserer Praxis arbeiten wir nicht nur am Zwangs-Symptom im engeren Sinn, sondern wir schauen auf das gesamte innere Erleben, das damit verbunden ist: Anspannung, Unsicherheit, übersteigerte Verantwortung, Schuldgefühle, Kontrollbedürfnis oder das Gefühl, etwas innerlich nicht „offen lassen“ zu können.
Oft geht es zunächst darum, einen anderen Blick auf das zu entwickeln, was da im Inneren passiert – ohne sich mit jedem Gedanken sofort identifizieren oder auf ihn reagieren zu müssen. Und vielleicht entsteht irgendwann auch mal die Frage: Welche Funktion erfüllt der Zwang eigentlich?
Dabei nutzen wir unter anderem die Gesprächstherapie nach Carl Rogers, um einen Raum zu schaffen, in dem Gedanken, Impulse und auch schambesetzte Themen überhaupt erst einmal ausgesprochen werden können, ohne sofort bewertet zu werden.
Gerade bei Zwängen wird das häufig als entlastend erlebt, weil viele Inhalte mit Rückzug, Verheimlichung oder Selbstverurteilung verbunden sind.
Die Gestalttherapie nach Fritz Perls und die Trancebasierte Integrative Therapie (TBIT, eine Spielart der humanistischen Hypnosetherapie) können dabei unterstützen, innere Spannungen, Ambivalenzen und wiederkehrende Muster im Erleben deutlicher wahrzunehmen.
Nicht selten wird dabei sichtbar, wie stark bestimmte innere Forderungen, Ängste, alte Prägungen oder unerledigte Situationen an dem beteiligt sein können, was heute als Zwang erlebt wird.
Je nach Anliegen beziehen wir auch achtsamkeitsbasierte Ansätze, Meditation, Innere-Kind-Arbeit sowie – wenn es sinnvoll ist – Elemente aus EMDR oder der Verhaltenstherapie ein. Bei Zwängen kann es zum Beispiel hilfreich sein, Gedanken nicht immer weiter inhaltlich zu überprüfen, sondern einen anderen Umgang mit ihnen zu entwickeln.
Ebenso kann die Arbeit mit dem Körper und dem Nervensystem einbezogen werden, wenn innere Alarmzustände sehr schnell anspringen oder kaum zur Ruhe kommen.
Wenn biografische Erfahrungen, alte Verletzungen oder stark verankerte innere Überzeugungen mit hineinspielen, können auch diese in der therapeutischen Arbeit berücksichtigt werden.
Die Begleitung orientiert sich dabei an dem, was für die betroffene Person tragbar und stimmig ist.
Die therapeutische Arbeit kann so einen Rahmen bieten, um innere Zusammenhänge klarer zu sehen und den eigenen Umgang mit Zwangsverhalten, Zwangsgedanken und Zwangsimpulsen schrittweise zu verändern.
Dein Kontakt zu uns
Wenn Du Dich für eine Psychotherapie bei Zwangsstörung in unserer Saarbrücker Praxisgemeinschaft interessierst: Kontaktiere uns gerne.
Telefon:
- Niritya Speicher-Wilhelm | 0171 367 8332
- Tom Wilhelm | 0177 314 3183
Oder nutze unser Kontaktformular.
Unsere Praxisadresse:
Unsere Privatpraxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz befindet sich im Herzen von Saarbrücken am Beethovenplatz in der Dudweilerstraße 37.
Mehr Informationen zu uns und unseren Qualifikationen findest Du hier:
Hinweis
Die Inhalte dieser Website dienen der allgemeinen Information über psychische Belastungen und psychotherapeutische Arbeitsweisen bei Zwangsstörungen. Sie ersetzen keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandlung.
Die psychotherapeutische Begleitung in unserer Praxis erfolgt auf Grundlage des Heilpraktikergesetzes.
Bei akuten psychischen Krisen oder schweren psychischen Erkrankungen kann eine Behandlung durch Fachärzte für Psychiatrie oder in einer psychosomatischen Klinik notwendig sein.
Eine anonyme und kostenlose Beratung rund um die Uhr gibt es bei der TelefonSeelsorge unter: 0800/1110111 oder 0800/1110222.
Im Netz: online.telefonseelsorge.de
Über die Autoren dieser Seite:
Niritya Speicher-Wilhelm und Thomas „Tom“ Wilhelm, beide Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis in Saarbrücken und Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Berater VFP e.V.
Qualifikationen:
Beide haben eine vierjährige Ausbildung in Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls und Transpersonaler Gestalttherapie bei Dr.rer.soc. Rajan Roth und Dipl.Ing. Deva Prem Kreidler-Roth in Köln und Stuttgart absolviert und praktizieren bereits seit einigen Jahre im Bereich psychischer Belastungen und ihrer therapeutischen Begleitung.
Tom hat zudem eine Ausbildung in tiefenpsychologischer Hypnose, Niritya ist auch Meditationslehrerin.