Niritya Speicher-Wilhelm und Tom Wilhelm begleiten als Heilpraktiker für Psychotherapie Trauerprozesse im Saarland.

Trauer – Phasen der Veränderung und Orientierung
Trauer gehört zu den psychischen Anpassungsprozessen nach einem Verlust. Sie betrifft nicht nur Gefühle, sondern auch Wahrnehmung, Denken und Verhalten.
Gleichzeitig findet Trauer nicht im luftleeren Raum statt: Der Alltag macht in der Regel keine Pause. Das kann zwar einerseits Halt geben, andererseits aber auch dazu führen, dass der eigentliche Trauerprozess zu wenig Raum bekommt.
Trauer entsteht nicht nur beim Tod eines nahestehenden Menschen. Auch Trennungen, der Verlust eines Lebensentwurfs, unerfüllte Wünsche oder der Abschied von einem vertrauten Tier können ähnliche Prozesse auslösen.
Entscheidend ist weniger die äußere Situation als vielmehr die individuelle Bedeutung, die der erlittene Verlust für das eigene Leben hat.
Dabei erleben wir bei den Trauernden in unserer Praxis in Saarbrücken immer wieder, dass die Trauerbewältigung nicht geradlinig verläuft: Es gibt kein festes Tempo und oft keinen klaren Endpunkt.
Vielmehr verändert sich vieles im Laufe der Zeit: Gefühle können sich abwechseln, an Intensität gewinnen oder wieder abklingen. Manche Tage wirken stabil, andere plötzlich wieder schwer.
Wie Trauer erlebt wird
Trauer zeigt sich auf unterschiedliche Weise.
Manche erleben intensive Gefühle wie Schmerz, Verzweiflung oder Wut. Andere berichten eher von innerer Distanz, Leere oder dem Gefühl, neben sich zu stehen. Auch körperliche Reaktionen wie Erschöpfung, Unruhe oder veränderter Schlaf sind möglich.
Gedanken kreisen häufig um das Geschehen – um Erinnerungen, offene Fragen oder ungeklärte Aspekte. Gleichzeitig müssen alltägliche Anforderungen bewältigt werden. Dieses Nebeneinander von innerer Auseinandersetzung und äußerem Funktionieren wird oft als anstrengend und sehr belastend erlebt.
Hinzu kommt die Reaktion des sozialen Umfelds. Unterstützung, Unsicherheit oder Rückzug können Einfluss darauf haben, wie Trauer erlebt und verarbeitet wird. Nicht selten entsteht das Gefühl, mit dem eigenen Erleben allein zu sein.
Trauer lässt sich oft nicht eindeutig fassen. Gefühle, Gedanken, körperliche Reaktionen und Verhalten verändern sich gleichzeitig und nicht immer nachvollziehbar, oft noch nicht mal von dem Trauernden selbst. Die emotionalen Zustände können wechseln, sich überlagern oder völlig widersprüchlich erscheinen.
Gerade deshalb kann es hilfreich sein, Trauer als Prozess zu verstehen. Psychologische Modelle beschreiben typische innere Bewegungen, ohne sie festzulegen. Sie bieten Orientierung, ohne einen festen Verlauf vorzugeben.
Ein häufig herangezogener Ansatz sind die vier Phasen der Reaktion auf einen Verlust nach Verena Kast.
Die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast
Die vier Phasen beschreiben wiederkehrende Muster im Umgang mit Verlust. Auch Klienten in unserer Saarbrücker Praxisgemeinschaft schildern oft, dass sie sie nicht als feste Abfolge erleben. Die Übergänge können fließend sein, die verschiedenen Phasen sich überlagern oder erneut auftreten.
- Nicht-wahrhaben-Wollen
Zu Beginn steht häufig ein Zustand, in dem die Realität des Verlustes noch nicht vollständig erfasst wird. Das Geschehen wirkt unwirklich und wird innerlich oft nur schrittweise erfasst. Manche erleben eine innere Distanz, eingeschränkte Wahrnehmung oder reagieren zunächst eher sachlich und funktional.
In dieser Phase kann das Erleben stark eingeengt sein. Die Aufmerksamkeit richtet sich überwiegend auf das unmittelbar Notwendige, während andere Aspekte ausgeblendet bleiben. Informationen werden nur bruchstückhaft aufgenommen oder später anders erinnert. Auch körperliche Reaktionen wie Anspannung, innere Unruhe oder eine Art Betäubung können auftreten.
Diese Reaktion ist kein Ausweichen, sondern eine Form der unmittelbaren Verarbeitung. Sie begrenzt die Intensität dessen, was gleichzeitig aufgenommen werden kann, und ermöglicht es, sich schrittweise mit dem Verlust auseinanderzusetzen.
Im weiteren Verlauf kann sich die Wahrnehmung verändern. Was zunächst fern oder unreal erschien, wird nach und nach greifbarer. Mit dieser Annäherung können auch stärkere emotionale Reaktionen einsetzen. Die anfängliche Distanz geht dabei nicht einfach verloren, sondern wird durch andere Formen des Erlebens ergänzt.
- Aufbrechende Emotionen
Im weiteren Verlauf treten emotionale Reaktionen stärker in den Vordergrund: Trauer kann sich dann als Schmerz, Wut, Angst, Schuldgefühle oder Leere zeigen. Diese Zustände können sehr intensiv erlebt werden und sich schnell verändern.
Die Gefühle sind dabei nicht immer eindeutig. Wut zum Beispiel kann sich gegen den Verstorbenen, die Situation, andere Menschen oder gegen sich selbst richten. Sie entsteht häufig da, wo etwas als ungerecht, unabgeschlossen oder nicht beeinflussbar erlebt wird.
Schuldgefühle können ebenso auftreten – unabhängig von objektiv nachvollziehbaren Zusammenhängen. Sie beziehen sich häufig auf Gedanken darüber, was man anders hätte tun, sagen oder verhindern können – auch dann, wenn dafür keine reale Grundlage besteht.
Auch widersprüchliche Empfindungen sind im Prozess der Trauerbewältigung möglich. Neben Schmerz können gleichzeitig Distanz, Gleichgültigkeit oder Momente von Ruhe auftreten. Solche Gegensätze können irritieren, gehören aber zum Trauerprozess.
- Suchen, Finden und Sich-Trennen
In dieser Phase verändert sich die Beziehung zum Verlorenen. Erinnerungen und gedankliche Auseinandersetzungen nehmen zu. Es entsteht häufig ein Bedürfnis, Zusammenhänge zu verstehen oder Fragen zu klären, die offen geblieben sind.
Mit dem Fortschreiten des Trauerprozesses wird auch die eigene Rolle stärker einbezogen. Erinnerungen an gemeinsame Situationen, Entscheidungen und Unausgesprochenes werden anders betrachtet und neu eingeordnet.
Gleichzeitig beginnt eine innere Neuorientierung. Die Auseinandersetzung mit dem Verlust verläuft nicht gleichmäßig, sondern in Phasen unterschiedlicher Intensität. Zeiten, in denen Gedanken und Gefühle immer noch stark belastend sind, wechseln sich mit ersten Momenten ab, in denen der Verlust weniger im Vordergrund steht.
Der Verlust wird zunehmend in die eigene Lebensgeschichte eingeordnet. Das bedeutet nicht, dass er an Bedeutung verliert, sondern dass sich der Umgang damit verändert. Erinnerungen können einen anderen Platz bekommen, und die Beziehung zum Verlorenen wird innerlich anders gestaltet als zuvor.
- Neuer Selbst- und Weltbezug
Im weiteren Verlauf der Trauerbewältigung kann sich der Blick wieder stärker auf das eigene Leben richten. Der Verlust bleibt präsent, steht jedoch nicht mehr durchgehend im Vordergrund.
Gedanken und Gefühle verlaufen weniger sprunghaft und lassen sich eher einordnen. Reaktionen werden nachvollziehbarer, auch wenn sie weiterhin schwanken können.
Der Alltag gewinnt an Struktur. Routinen greifen wieder eher, Entscheidungen fallen weniger schwer, und Anforderungen lassen sich besser einschätzen. Handlungsmöglichkeiten werden wieder genutzt, zunächst oft vorsichtig oder in begrenztem Umfang.
Der Umgang mit dem Verlust verändert sich dabei. Er wird weniger von unmittelbaren Reaktionen bestimmt und mehr zu einem Teil der eigenen Lebensgeschichte. Erinnerungen bleiben, treten aber nicht mehr in jeder Situation in den Vordergrund.
Die Bedeutung des Verlustes verändert sich, ohne dass sie verschwindet.
Trauer als individueller Prozess
Auch wenn solche Modelle Orientierung bieten, verläuft eine Trauerbewältigung bei jedem Menschen unterschiedlich. Nicht alle Phasen werden in gleicher Weise erlebt, und sie treten nicht in einer festen Reihenfolge auf.
Viele bewegen sich im Verlauf zwischen verschiedenen Zuständen hin und her. Aspekte können erneut auftreten, sich verändern oder mit der Zeit an Bedeutung verlieren.
Trauer entwickelt sich aus der individuellen Lebenssituation, der persönlichen Geschichte und der Bedeutung des Verlustes. Sie lässt sich nicht von außen festlegen, sondern folgt eigenen inneren Dynamiken.
Unser Lesetipp:
→ Verena Kast: Trauern – Phasen und Chancen des psychischen Prozesses (Herder, 2026)
Zur Abgrenzung: Trauer und Anpassungsreaktionen
Trauer ist zunächst eine normale Reaktion auf Verlust und erfordert nicht automatisch eine Behandlung. Gleichzeitig kann sie mit Belastungsreaktionen einhergehen, die über das hinausgehen, was im Alltag noch gut bewältigt werden kann.
In solchen Fällen kann von einer Anpassungsreaktion oder einer Anpassungsstörung gesprochen werden. Dabei stehen anhaltende Belastung, Überforderung oder deutliche Einschränkungen im Vordergrund.
Darüber hinaus gibt es Formen von Trauer, die sich über einen längeren Zeitraum kaum verändern oder sehr intensiv bleiben. In der Fachliteratur wird hier von komplizierter oder anhaltender Trauer gesprochen (z. B. „Anhaltende Trauerstörung“).
Wichtig ist:
Diese Einordnungen dienen nicht dazu, den Prozess der Verarbeitung zu bewerten, sondern können helfen zu erkennen, wann zur Trauerbegleitung zusätzliche Unterstützung – etwa durch einen Therapeuten oder einen Facharzt – sinnvoll sein kann.
Unsere Arbeitsweise in der Trauerbegleitung
Unsere Arbeit basiert auf einer klaren, zugewandten Haltung.
Wir begegnen Dir als Mensch, nicht als Fall oder Diagnose. Im Mittelpunkt stehst Du. Und das, was Du im Zusammenhang mit dem Verlust erlebst, denkst und fühlst.
Der Prozess nach einem Verlust verläuft – wie schon erwähnt – nicht nach festen Mustern. Deshalb arbeiten wir in unserer Praxis in Saarbrücken auch in der Trauerbegleitung ohne vorgegebene Abläufe und orientieren uns vielmehr an dem, was für Dich in Deiner individuellen Situation gerade im Vordergrund steht.
Die Gesprächstherapie nach Carl Rogers ist oft die Grundlage für unsere Arbeit. Wir greifen auf, was Du schilderst, und ordnen es gemeinsam ein. So wird deutlicher, was oft unübersichtlich bleibt, und der eigene Umgang mit der Trauer wird nachvollziehbarer.
Ergänzend beziehen wir unterschiedliche achtsame und traumasensible therapeutische Zugänge ein, wenn sie in der jeweiligen Situation sinnvoll sind.
Entscheidend ist nicht die Methode, sondern ob sie hilft, das eigene Erleben besser zu verstehen.
Wir geben keine fertigen Antworten vor. Es geht darum, einen eigenen Umgang mit dem Geschehenen zu entwickeln.
Einen Umgang, der zu Deiner Situation und für Dich passt.
Mehr Informationen zu uns und unserer Arbeitsweise:
Dein Kontakt zu uns und unserer Praxisgemeinschaft in Saarbrücken
Wenn Du Unterstützung im Umgang mit Trauer suchst, kann ein Erstgespräch ein sinnvoller erster Schritt sein. Es dient dazu, sich kennenzulernen und gemeinsam zu klären, ob eine Begleitung für Deine Situation passend ist.
Dabei geht es darum, einen ersten Eindruck von Deinem Anliegen zu bekommen und den Rahmen der weiteren Zusammenarbeit abzustecken.
Wenn Du Dich für eine Begleitung bei Trauer interessierst: Kontaktiere uns gerne.
Telefon:
Niritya Speicher-Wilhelm | 0171 367 8332
Tom Wilhelm | 0177 314 3183
Oder nutze unser
Hinweis
Die Inhalte dieser Website dienen der allgemeinen Information über eine Begleitung bei Trauer und Verlust, psychische Belastungen und psychotherapeutische Arbeitsweisen. Sie ersetzen keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandlung.
Die Begleitung in unserer Praxis in Saarbrücken erfolgt auf Grundlage des Heilpraktikergesetzes.
Bei akuten psychischen Krisen oder schweren psychischen Erkrankungen kann eine Behandlung durch Fachärzte für Psychiatrie, Psychotherapeuten oder auch in einer Klinik notwendig sein.
Eine anonyme und kostenlose Beratung rund um die Uhr gibt es bei der TelefonSeelsorge unter: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222.
Im Netz: online.telefonseelsorge.de
Wer hier schreibt
Niritya Speicher-Wilhelm und Thomas „Tom“ Wilhelm, beide Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis in Saarbrücken und Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Berater VFP e.V.
Qualifikationen:
Beide haben eine vierjährige Ausbildung in Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls und Transpersonaler Gestalttherapie bei Dr.rer.soc. Rajan Roth und Dipl.Ing. Deva Prem Kreidler-Roth in Köln und Stuttgart absolviert und praktizieren bereits seit einigen Jahre im Bereich psychischer Belastungen und ihrer therapeutischen Begleitung.
Tom hat zudem eine Ausbildung in tiefenpsychologischer Hypnose, Niritya ist auch Meditationslehrerin.