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Transpersonale Gestalttherapie – wenn Verstehen nicht mehr ausreicht

Niritya und Tom, Heilpraktiker für Psychotherapie mit Praxis in Saarbrücken, informieren über die transpersonale Arbeit mit der Gestalttherapie nach Fritz Perls.


Die Transpersonale Gestalttherapie als fundierte Erweiterung des psychologischen Horizonts: Informationen von Niritya & Tom, Heilpraktiker für Psychotherapie in Saarbrücken.
Transpersonale Gestalttherapie: ein Ansatz, der die klassischen Therapieverfahren integrativ erweitert.

Wenn alles erklärbar ist – und trotzdem etwas offen bleibt

Du kannst sehr viel Zeit damit verbringen, Dich selbst zu sortieren. Therapie, Podcasts, Gespräche, Bücher – irgendwann hast Du ein ziemlich gutes Vokabular für Dein eigenes Innenleben.

Du weißt, woher die Dinge kommen könnten, wie Deine Muster heißen und warum Du so reagierst, wie Du reagierst.

Und dann stehst Du irgendwann da – und merkst: Das alles hilft gerade nicht weiter. Nicht, weil das alles falsch wäre, sondern weil es manchmal nicht reicht.

Weil Dein Leben, weil Deine Existenz als Mensch oft einfach weitaus komplexer ist als das, was diese theoretischen Abhandlungen hergeben.

Die Herangehensweise der Transpersonalen Gestalttherapie setzt genau an diesem Punkt an. Nicht mit weiteren Erklärungen, sondern mit einer Verschiebung: weg vom Nachdenken über Dich selbst, hin zu dem, was hinter Deiner Geschichte liegt.

In der Transpersonalen Gestalttherapie geht es nicht darum, noch ein weiteres Puzzleteil in Deiner Biografie, eine weitere Erklärung oder ein weiteres Deiner Muster zu finden, sondern zu erfahren, dass Du viel mehr bist – mehr als Deine Probleme, Deine Diagnosen und mehr als Deine Vergangenheit.


Zunächst mal: Was ist das eigentlich – Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie wurde von Fritz Perls und Laura Perls entwickelt und gehört zu den humanistischen Therapieverfahren. Ihr Ausgangspunkt ist einfach und gleichzeitig anspruchsvoll: Menschen lassen sich nicht isoliert verstehen, sondern nur im Kontakt – mit sich selbst, mit anderen und mit ihrer Umgebung.

Im Zentrum steht das Hier und Jetzt. Gedanken, Emotionen und körperliche Empfindungen werden als zusammenhängende Erfahrung betrachtet. Es geht nicht primär darum, etwas zu erklären, sondern wahrzunehmen, was gerade geschieht.

Das verändert auch die therapeutische Arbeit. Aufmerksamkeit richtet sich auf Details: Wie verändert sich die Stimme? Wo entsteht Spannung im Körper? Was passiert im Kontakt zwischen Therapeut und Klient? Daraus entstehen Prozesse – keine festgelegten Techniken, sondern konkrete Schritte, die sich aus der Situation ergeben.

Veränderung entsteht in diesem Verständnis nicht durch intellektuelle Einsicht allein. Sondern vielmehr dadurch, dass Du Dich selbst direkt im Hier und Jetzt-Prozess spürst und erlebst.

Mehr Informationen zu diesem Therapieverfahren findest Du auf der Seite zur

→ Gestalttherapie in unserer Praxis.


Transpersonal: Wenn die Erfahrung sich erweitert

Manchmal passiert in der therapeutischen Arbeit etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt: Die Perspektive verschiebt sich. Während wir eben noch intensiv an einem Thema gearbeitet haben, entsteht plötzlich ein Raum, der über das gewohnte „Ich“ hinausreicht.

In der Psychologie nutzen wir dafür den Begriff transpersonal. Damit sind Momente gemeint, in denen Du Dich nicht mehr nur über Deine Probleme oder Deine Vergangenheit definierst. Es ist ein Erleben von Weite, von tiefer Stille oder einer Verbundenheit, die einfach da ist – ohne dass Du sie „erarbeitet“ hättest.

Das ist kein künstlich herbeigeführter Zustand, sondern eher so etwas wie ein sanftes Aufatmen. Es ist die Erfahrung, dass Du mehr bist als die Summe Deiner Muster.

Diese Momente schenken oft eine ganz eigene Art von Klarheit: Die Dinge ordnen sich nicht durch Nachdenken, sondern dadurch, dass Du für einen Augenblick einen Standpunkt einnimmst, der außerhalb der gewohnten Dynamik liegt.

Die Transpersonale Gestalttherapie wurde in Deutschland maßgeblich geprägt durch Dr. rer. soc. Rajan Roth. Er erweiterte das klassische Verfahren von Fritz Perls um die Erforschung und Veränderung des Bewusstseins. In diesem Ansatz lässt er westliche Psychotherapie, Traumarbeit, Breathwork und Meditation mit Erkenntnissen aus dem Zen-Buddhismus, Sufismus und Hinduismus zusammenfließen.

„Es geht um das Wiederentdecken des Wunderbaren. Es geht darum sich daran zu erinnern, dass Gestalttherapie schon immer transpersonal war und dass sie erfolgreich eher aus dem Herzen denn aus dem Kopf praktiziert und weiterentwickelt werden kann.

– Dr. Rajan Roth in:  Transpersonale Gestalttherapie: Humanistische Psychotherapie für das 21. Jahrhundert

Über die Arbeit an Deiner persönlichen Biografie hinaus lädt diese Methode dazu ein, den Horizont in transpersonale Bereiche zu erweitern, diesen Erfahrungen im Prozess Raum zu geben und sie als Teil des Erlebens zu integrieren.


Transpersonale Gestalttherapie in der Praxis

Dieser Ansatz verändert nicht das Fundament der Gestalttherapie, sondern er erweitert den Umgang mit dem, was im Prozess sowieso oft spürbar wird. Er ist weniger eine Sammlung technischer Methoden als vielmehr eine Erweiterung unserer therapeutischen Haltung.

In der Praxis bedeutet das:

  • Das Erleben steht im Vordergrund: Ausgangspunkt bleibt das, was Du jetzt gerade körperlich und emotional wahrnimmst.
  • Prozess statt Plan: Die Arbeit folgt keinem festen Schema, sondern entwickelt sich aus dem Moment heraus.
  • Ergänzende Impulse: Elemente wie bewusste Atmung, meditative Sequenzen oder die Betrachtung von Träumen fließen ein, wenn sie sich organisch aus der Situation ergeben.
  • Direkter Bezug: Jede Erfahrung wird im Gespräch reflektiert und als Teil Deiner gesamten Persönlichkeit betrachtet.

Entscheidend ist dabei die Gewichtung: Es geht nicht darum, besonders intensive Zustände zu erzeugen oder diese hervorzuheben.

Sie sind kein Ziel an sich, sondern ein natürlicher Teil des Weges, mit dem wir genauso bodenständig gestalttherapeutisch arbeiten wie mit jedem anderen Gefühl oder Gedanken auch.


Exkurs: Spiritual Bypass

Ein wichtiger Punkt bei transpersonalen Ansätzen ist der sogenannte Spiritual Bypass. Mit diesem Begriff ist die Tendenz gemeint, schwierige psychische Prozesse zu umgehen, indem man sie vorzeitig auf eine abgehobene spirituelle Ebene verschiebt.

Das passiert oft sehr subtil:

  • Schmerz wird als „unwesentlich“ abgetan.
  • Konflikte werden ignoriert, weil sie im „neuen Bewusstsein“ scheinbar an Bedeutung verloren haben.
  • Das eigentliche Fühlen wird durch eine abstrakte und rein gedankliche Erkenntnis ersetzt.

Das Problem dabei ist: Was nicht wirklich durchlebt wird, bleibt im Hintergrund wirksam – egal, wie klug man es wegargumentiert.

Die Gestalttherapie arbeitet dieser Dynamik bewusst entgegen. Wir überspringen keine Gefühle und blenden körperliche Reaktionen nicht aus. Auch Deine Biografie bleibt natürlich ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Transpersonale Erfahrungen sind kein Ersatz für diese Auseinandersetzungen: Sie entstehen – wenn überhaupt – als deren natürliche Erweiterung. Ziel ist nicht die Flucht aus dem Alltag, sondern die Fähigkeit, ihm klarer und handlungsfähiger zu begegnen.


Einordnung der Transpersonalen Psychotherapie

Die Gestalttherapie nach Fritz Perls ist ein etabliertes Verfahren innerhalb der humanistischen Psychologie. Ihr Fokus auf Erleben, Kontakt und Bewusstheit ist fundiert beschrieben, auch wenn sie in Deutschland derzeit nicht zu den kassenfinanzierten Standardverfahren gehört.

Transpersonale Ansätze bewegen sich darüber hinaus in einem Bereich, der wissenschaftlich schwerer zu fassen ist – nicht, weil er unzugänglich wäre, sondern weil sich Erfahrungen von Weite oder Verbundenheit nur begrenzt in Statistiken pressen lassen. In der Fachwelt wird dieser Ansatz jedoch diskursiv begleitet und erforscht:

  • Das Deutsche Kollegium für Transpersonale Psychologie (DKTP) fördert die Forschung in diesem Bereich, unter anderem an der Universität Oldenburg.
  • Fachpublikationen wie die Zeitschrift „Transpersonale Psychotherapie“ oder Übersichtsarbeiten im American Journal of Psychotherapy beleuchten die Theorie und klinische Praxis.
  • International werden transpersonale Ansätze häufig der Humanistischen Psychologie zugeordnet – beispielsweise durch die Division 32 der American Psychological Association (APA), dem weltweit einflussreichsten Fachverband für Psychologie mit Sitz in den USA.

Während transpersonale Ansätze also in der Fachliteratur und Forschung kontinuierlich diskutiert werden, liegen groß angelegte klinische Studien oder offizielle Leitlinien zur Wirksamkeit bislang nur in begrenztem Umfang vor.

Wir setzen dieses Verfahren daher gezielt als methodische Erweiterung ein, wenn klassische Therapieformen an ihre Grenzen stoßen, um über die reine Symptomarbeit hinaus eine tiefere Perspektive auf das Wesentliche zu ermöglichen.

In unserer therapeutischen Praxis pflegen wir einen nüchternen und verantwortungsbewussten Umgang mit transpersonalen Momenten: Wir betrachten sie als unmittelbares Erleben im Hier und Jetzt, ohne sie dogmatisch als Beweis für Theorien oder als absolute Wahrheiten zu deuten.

Der Fokus liegt konsequent auf der konkreten Wirkung im Alltag. Entscheidend ist dabei nicht die theoretische Interpretation einer Erfahrung, sondern ihr praktischer Nutzen für Deine Orientierung, Klarheit und Handlungsfähigkeit.


Für wen ist dieser Ansatz geeignet?

Transpersonale Gestalttherapie richtet sich nicht an eine klar definierte Zielgruppe, sondern eher an bestimmte Fragestellungen.

Sie kann sinnvoll sein für Menschen, die:

  • sich intensiv mit sich selbst auseinandergesetzt haben
  • ihre Muster erkennen, aber keine Veränderung erleben
  • an einen Punkt kommen, an dem reine Einsicht nicht weiterführt

Ebenso für Menschen, die neben konkreten Problemen auch Fragen nach Sinn, Einordnung oder persönlicher Entwicklung mitbringen.

Nicht geeignet ist dieser transpersonale Ansatz als ein Ersatz für eine medizinische oder psychiatrische Behandlung. Eine differenzierte Abklärung bleibt notwendig.


Begleitung durch Transpersonale Gestalttherpie in unserer Praxis in Saarbrücken

Wenn Du Dich für diese Form der Begleitung interessierst, kontaktiere uns gerne für ein erstes Gespräch.

Niritya & Tom | Heilpraktiker für Psychotherapie

  • Telefon Niritya: 0171 – 3678332
  • Telefon Tom: 0177 – 3143183

Oder nutze unser Kontaktformular für eine erste unverbindliche Anfrage.

Wir freuen uns darauf, Dich kennenzulernen,

Niritya und Tom


Die Autoren dieser Seite:

Niritya Speicher Wilhelm und Thomas „Tom“ Wilhelm, Heilpraktiker:innen für Psychotherapie und Gestalttherapeuten nach Fritz Perls in Saarbrücken. Beide sind Mitglieder im Verband Freier Psychotherapeuten (VFP e.V.).

Qualifikationen: Beide haben eine vierjährige Ausbildung bei Dr.rer.soc. Rajan Roth und Dipl.Ing. Deva Prem Kreidler-Roth absolviert in: Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Gestalttherapie nach Fritz Perls und Transpersonaler Gestalttherapie.

Tom hat zudem Fortbildungen in Verhaltenstherapie und EMDR sowie eine Ausbildung in tiefenpsychologischer Hypnose absolviert, Niritya ist außerdem Meditationslehrerin und hat eine Weiterbildung in systemischer Aufstellungsarbeit.